Dachengquan – Sinoblog 中德博客 https://sinoblog.de Der Blog zu Chinas Kultur des Kampfes - Konzepte | Erfahrungen | Traditionen Mon, 02 Jan 2017 19:29:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Wie man seinen Übungsplatz etabliert – Teil 3/3 https://sinoblog.de/2017/01/02/wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-33/ https://sinoblog.de/2017/01/02/wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-33/#respond Mon, 02 Jan 2017 19:26:14 +0000 https://sinoblog.de/?p=422 Außer dass der Ort für einen vorteilhaft ist, muss man noch darauf achten, dass es sich um einen passenden Gegner für eine Herausforderung handelt. Hierbei um eine gegenseitige Aktivierung. Man mag über große kämpferische Fertigkeiten verfügen, doch bei einer bestimmten Person kann man sie überhaupt nicht zur Entfaltung bringen. Unter normalen Umständen wäre derjenige überhaupt kein Gegner für einen. Doch sobald man vor ihm steht, ist man selbst nicht mehr in seinem normalen Zustand.

Aus Dacheng ruo que大成若缺 – „Großes Können gleicht einem Makel“ (Aufzeichnungen aus der Kampfkunstpraxis in den achtziger Jahren) von Xu Haofeng nach den Schilderungen von Wang Jianzhong, Autorenverlag (Peking), 2011

Wang Jianzhong beim Anwendungstraining (Zum Vergrößern anklicken)

Wenn man sich Aufzeichnungen von früheren Kämpfen eines Mike Tyson ansieht, so erkennt man, dass er manchmal große Probleme mit Leuten hatte, die ihm bei weitem nicht das Wasser reichen konnten. Dabei handelt es sich um das Problem, dass beide Gegner nicht zu einander passen.

Erfreuliche Begegnung

Bei meinen Besuchen bei Übungsplätzen anderer Lehrer kam es einmal zu einem Vergleich, den ich als sehr erfreulich empfand. Das war, als ich auf einen alten Man traf, der Taijiquan übte. Wenn Vertreter des Taijiquan auf solche des Dachengquan treffen, verhalten sie sich im Allgemeinen ausweichend. Denn sie haben das Gefühl, dass die Methoden des Push Hands sich in beiden Stilen stark unterscheiden. Man kann sich nicht richtig darin vergleichen und sagen, wer gewonnen und wer verloren hat. Er wich nicht aus, im Gegenteil, er wollte von sich aus mit mir pushen. „Du schaffst es nicht, mich wegzuschleudern“, sagte er.

Sobald ich Kontakt mit seinen Armen aufnahm, hatte ich das Gefühl, dass er über eine raffinierte Form der Kraft verfügte. Er konnte meine Kraft auflösen. Aber durch geschicktes Manövrieren hätte ich ihn dennoch wegschleudern können. Jedoch wollte ich sein Gesicht wahren. Ich schleuderte ihn nicht weg, sondern deutete dies nur an. Nachdem er meine Kraft gefühlt hatte, sagte er zu den Leuten neben ihm: „Ihr habt nichts auf dem Kasten. Dieser Herr da hat‘s drauf.“

Wir zeigten Bewunderung füreinander und empfanden beide die Begegnung als erfreulich.

Unterschiede im Push Hands

Tatsächlich gibt es Unterschiede im Push Hands zwischen dem Dachengquan und dem Taijiquan. Ein Beispiel: Im  Push Hands, dass auf Cui Youcheng zurückgeht, gibt es ein Bewegung, bei der man quer über den Hals wie bei einem Schnitt durch die Kehle streicht. Dabei steht man seitlich zum Gegner. Das gibt es bei Push Hands im Taijiquan nicht.

Beim Push Hands arbeite ich daran, wie man jemanden unter Kontrolle bringt. Es heißt für gewöhnlich, es sei leicht jemanden mit Schlägen zu treffen, jemanden kontrolliert wegzuschnellen hingegen schwierig. Es sei leicht jemand wegzuschnellen, aber schwierig, ihn unter Kontrolle zu bringen. Gelingt es einem, dem anderen einen Schock zu versetzen, dann kann man ihn kontrollieren. Daher meine Schlussfolgerung: Beim Push Hands geht es darum, dem anderen „einen Schock zu versetzen“.

Einmal besuchte mich einer an meinem Übungsplatz und wollte wissen, wie es ist, wenn man mit mir pusht. Ich habe ihn nicht weggeschnellt, sondern auch nur eine Andeutung gemacht. Ich fragte ihn, was er empfände. „Meine Zähne haben glatt aufeinander geschlagen“, sagte er. Das ist mit „einen Schock versetzen“ gemeint. Es geht dabei nicht um einen verborgenen Wink, der psychologisch wirksam ist, sondern um eine Reizung, die physiologisch zur Geltung kommt. Folglich kann man es nicht unterdrücken. Man erhält unvermeidlich einen Schock.

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Wie man seinen Übungsplatz etabliert – Teil 2/3 https://sinoblog.de/2016/11/19/wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-23/ https://sinoblog.de/2016/11/19/wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-23/#respond Sat, 19 Nov 2016 14:53:08 +0000 https://sinoblog.de/?p=351 Nach der alten Regel, musste man sich als Meister ab einem bestimmten Punkt aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um seinen Ruf zu erhalten. Es heißt: „Ein Leben lang klug und weise, einen Augenblick aber unbedacht.“ Der Rückzug aus der Öffentlichkeit dient dazu, eben diesen „einen Augenblick“ zu vermeiden. In der Welt der Kämpfer darf man nicht auf Lobhudeleien hören. Je höher man gelobt wird, desto härter wird man auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen. Als Meister sollte man sich seiner Würde besonders bewusst sein. Erst wenn man erfolgreich gute Schüler ausgebildet hat, kann man sich einiges herausnehmen. Man nimmt sie überall hin mit: Verlieren sie, so sammeln sie dadurch Erfahrungen, gewinnen sie, so steigert dies das Ansehen.

Aus Dacheng ruo que大成若缺 – „Großes Können gleicht einem Makel“ (Aufzeichnungen aus der Kampfkunstpraxis in den achtziger Jahren) von Xu Haofeng nach den Schilderungen von Wang Jianzhong, Autorenverlag (Peking), 2011
Wang Jianzhong beim Push Hands mit einem Schüler.

Wang Jianzhong beim Push Hands mit einem Schüler (Zum Vergrößern anklicken).

Bei allen Angelegenheiten gilt es, auf den richtigen Zeitpunkt, einen vorteilhaften Ort und die passenden Leute zu achten. Wenn man einen Übungsplatz eröffnet, muss man wissen, was für ein Ort für die eigene Kampfkunst am geeignetsten ist. Beim Dachengquan achtet man darauf, dass der Übungsplatz klein ist. Bei anderen Kampfkünsten wird oft Wert auf viel Platz gelegt.

Je kleiner desto besser

Im Dachengquan  ist das Fali – das explosive „Freisetzen der Kraft“ – ein wichtiger Bestandteil. Wenn nicht Mauern ringsum den Raum beschränken, hat der Gegner viel Bewegungsfreiheit und man tut sich schwer mit dem „Freisetzen der Kraft“. Wenn wenig Platz ist, wird der andere aufgrund des optischen Eindrucks Angst davor haben, gegen eine Mauer hinter ihm zu prallen. Instinktiv wird er sogar noch einem entgegenkommen. Dann lässt sich das „Freisetzen der Kraft“ gut ausführen. Daher heißt es im Dachengquan: „Je enger es ist, desto besser lässt sich der Gegner wegschleudern.“

Wenn also der Platz klein ist, kann man von einem passenden Ort sprechen. Um hinter das Geheimnis für den Erfolg bei Vergleichskämpen zu kommen, sollte man das Gefühl dafür zunächst aus der räumlichen Beziehung heraus entwickeln. Im Kontext eines Vergleichskampfes ist das Gefühl ganz wichtig. Dabei bildet sich in jedem Stil ein ganz eigenes Gefühl heraus.

Stilistische Unterschiede

Yu Yongnian[1] war ein Meister im Bereich der Lebenspflege. Er zeigte vor Leuten keine Kampfanwendung. Yao Zongxun[2] war ein Meister der Kampfanwendung, der persönlich eine Vielzahl von Kämpfen überstanden hat. Aber beide stammten aus der gleichen Schülergeneration und wurden von Wang Xiangzhai[3] unterrichtet. Beide vermittelten das gleiche Gefühl. Für sie war es daher leicht, mit einem anderen zu kämpfen, aber es wäre kaum möglich für sie gewesen, als Mitschüler gegeneinander anzutreten. Yao Zongxun verfügte über enorme Kampfkraft. Bei Vergleichen mit Vertretern anderer Stile flogen die Gegner bei der ersten Berührung mit ihm durch die Gegend. Der alte Herr Yu sagte indes: „Egal, was mein Gegner alles draufhat, solange er es nicht auf einen offenen Faustkampf ankommen lässt, wird er mich beim Tuishou – Push Hands – nicht wegschleudern können.“

Dass es Unterschiede zwischen den Stilen gibt, ist eine feine Sache. Auf diese Weise kann man gut gegeneinander kämpfen. Es kommt darauf an, wer seine speziellen Fähigkeiten am besten zur Geltung bringen kann. Je enger es zugeht, desto besser kann man im Dachengquan sein geistiges Kraftpotenzial entfalten.

Wenn man in einer engen Gasse Cui Youcheng entgegenkommen sah, hatte man das Gefühl, dass man seine Position nicht halten konnte. Das lag nicht unbedingt an einem eigenen Mangel an kämpferischen Fähigkeiten, sondern man konnte vom Bewusstsein her nicht mit ihm mithalten. Die Trainingsmethode des Dachengquan, bei der man sich im Geist immer größer macht, zeigte in solchen Situationen seine Wirkung.

Ein kleiner Hügel

Ich richtete einmal auf einem kleinen Hügel einen Übungsplatz ein. Die ebene Fläche auf dem Hügel war nur drei, vier Meter breit. Auf diese Weise richtete ich mir einen vorteilhaften Ort ein. Wenn jemand kam, um sich mit mir im Push Hands zu messen, würde er an so einem Platz umso eher zu Fall kommen, je mehr er sich davor fürchtete. Ich hingegen verfügte an so einem Ort über technische Möglichkeiten, die ich zur Entfaltung bringen konnte.

Ein anderes Mal wurde ich in eine Villa eingeladen, um dort zu unterrichten. Wir waren in einem kleinen Zimmer im ersten Stock. Als ich dort meine Explosivkraft einsetzte, spürte man, wie die Wände vibrierten. Das Zimmer und die Menschen darin fingen an, sich in einer wummernden Resonanz gegenseitig hochzuschaukeln. Ich konnte dabei meine Explosivkraft immer satter einsetzen.

Wenn ich dagegen in einer großen Halle meine Explosivkraft einsetze, kommt es an solch einem geräumigen Ort zu keiner Resonanz. Ich kann natürlich immer noch Kraft einsetzen, aber vom Gefühl her fehlt etwas. Wenn das Gefühl nicht hundertprozentig stimmt, dann kann man sich auch in einem Vergleichskampf nicht zu 100 Prozent entfalten.

Die Spezialität von Cui Youcheng

Leute, die Dachengquan üben, messen sich gerne zu Hause mit anderen. Sie räumen mal kurz Tische und Stühle zur Seite, machen Platz, um dann mit dem Gegner aufzuräumen. Boxer kämpfen gerne an Orten mit viel Platz. In Bezug auf den vorteilhaftesten Ort für einen Kampf, hat Cui Youcheng einen Durchbruch in der Entwicklung des Dachengquan erzielt. Ausgehend von der Präferenz eines engen Kampfplatzes im Dachengquan hat er Mittel und Wege gefunden, an einem geräumigen Ort zu kämpfen: Je mehr man vor ihm davonlief, desto mehr wurde man getroffen. Er hoffte sogar, dass man vor ihm abhaute. Er nutzte die Bewegung und das Momentum des zurückweichenden Gegners aus, um einen zu schlagen. Das Zurückweichen bedeutete für ihn, dass der Gegner genau zu seiner Art zu kämpfen passte.

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[1] Yu Yongnian 于永年: (1920-2013), schloss 1941 in Tokyo sein Studium der Zahnmedizin und lernte ab 1944 von Wang Xiangzhai das Yiquan. Er fokussierte sich auf die gesundheitlichen Wirkungen der Stehenden Säule – Zhanzhuang. Ab 1953 unterrichtete in Krankenhäusern in Peking die Stehende Säule zu medizinischen Zwecken und systematisierte dazu auch die Übung in Form der „24 Positionen der Stehenden Säule“.
www.yuyongnian.com

[2] Yao Zongxun 姚宗勋: (1917-1985) lernte ab 1937 von Wang Xiangzhai das Yiquan. Er bekam vom Wang Xiangzhai den Beinamen Jixiang, was so viel bedeutet wie „das Werk von Xiangzhai fortführen.“ In diesem Zusammenhang wird er als Erbe des von Wang Xiangzhai geschaffenen Stils bezeichnet. Berühmt wurde er durch mehrere Siege über japanische und chinesische Kampfkünstler.

[3] Wang Xiangzhai 王芗斋: (1885 oder 1886-1963): Gründer des Dachengquan/Yiquan. Ab 1894 lernte er von Guo Yunshen 郭云深 (1820-1901), Großmeister des Xingyiquan. Später maß er sich mit zahlreichen Meistern verschiedener Stile in ganz China und gründete auf der Basis des Xingyiquan und seiner Erfahrungen mit anderen Kampfkünsten seinen eigenen Stil, der unter den zwei Bezeichnungen Dachengquan und Yiquan bekannt wurde. Dieser stark an der Effektivität in der Kampfpraxis orientierte Stil hat verschiedene Variationen des Zhanzhuang (Stehen wie eine Säule) als Grundlage, verzichtet völlig auf Formen und nach Angaben seiner Vertreter auch auf feste Techniken.

 

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Wie man seinen Übungsplatz etabliert – Teil 1/3 https://sinoblog.de/2016/11/06/wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-1/ https://sinoblog.de/2016/11/06/wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-1/#respond Sun, 06 Nov 2016 16:25:24 +0000 https://sinoblog.de/?p=337 Es gibt bestimmte Regeln, wie man seinen eigenen Übungs- und Unterrichtsplatz etabliert. An erster Stelle steht dabei, wie man mit jemanden umgeht, der einen durch einen Herausforderungskampf vertreiben will: Ein Schüler nimmt sich der Sache an, der Meister darf sich nicht darauf einlassen. Der Vergleichskampf findet mit dem Schüler statt, nicht mit dem Meister.

Aus Dacheng ruo que大成若缺 – „Großes Können gleicht einem Makel“ (Aufzeichnungen aus der Kampfkunstpraxis in den achtziger Jahren) von Xu Haofeng[1] nach den Schilderungen von Wang Jianzhong[2], Autorenverlag (Peking), 2011
wie-man-seinen-uebungsplatz-etabliert-teil-1-cui-youcheng_final

Cui Youcheng erläutert in ausgelassener Runde das Dachengquan.

Im Fernsehen habe ich einmal eine Reportage gesehen. Es ging um eine chinesische Sanda-Mannschaft, die in Amerika an einem Wettkampf teilnahm. Der Meister eines amerikanischen Kampfsportclubs stieg auf das Kampfpodest. Der sah wirklich sehr gut aus. Und wurde wirklich ganz erbärmlich verdroschen. Seine Schülerinnen unten vor dem Podest weinten alle.

Man sollte wissen, dass es immer einen gibt, der noch besser ist. Als Meister muss man sich ein Hintertürchen offenlassen. Man muss konservativ vorgehen und langfristig planen – für 50 Jahre. Als Meister ist man in seiner Position nicht einfach ein Individuum, sondern man vertritt die gesamte Lehre der eigenen Kampfkunst. Wenn man in den Ring steigt und verliert, heißt das, dass man selbst nichts drauf hat oder das die eigene Kampfkunst nichts taugt?

Dieser amerikanische Meister war zu forsch. Ich schätze, dass es sehr schwierig für ihn wurde, den Kampfsportclub fortzuführen.

Herausforderungskämpfe im Dachengquan

Wenn sich Vertreter der alten Generation treffen, handelt es sich um einen Austausch von Erfahrungen. Wenn sich junge Leute auf einen Austausch einlassen, gehen sie stets aufs Ganze. Als ich jung war, prügelte ich mich an jeder Ecke. Aber als Mann mit einer entsprechenden Vergangenheit sollte man den Sinn des Sprichworts „Ein tapferer Mann spricht nicht über seine vergangenen Taten“ verstehen. In jedem Alter macht man die Dinge, die zu dem jeweiligen Alter passen und in jeder Position macht man die Dinge, die zu der jeweiligen Position passen. Das Leben eines Menschen teilt sich in mehrere Abschnitte. Die Jugend ist ein solcher Abschnitt. Es ist die Zeit, in der man ein aktiver Sportler sein kann. Man verfügt über reichlich Kraft und kann dies insbesondere in körperlichen Auseinandersetzungen einsetzen. Erreicht man das mittlere Alter, dann sollte man als Trainer tätig werden.

Die wilden Achtziger

In den achtziger Jahren war es zumeist so, dass Vertreter des Dachengquan Lehrer anderer Stile aus ihrer Schule oder von ihrem Übungsplatz durch einen Herausforderungskampf vertrieben. Es gab auch den umgekehrten Fall. So kam einmal ein Boxer, um uns zu vertreiben. Er behauptete von sich, er habe es in einem Vergleichskampf mit einer berühmten Persönlichkeit des Dachengquan zu einem Unentschieden gebracht. Er sprach zwar von einem Unentschieden, in der Tat aber hätte dies für jenen Vertreter des Dachengquan eine große Schmach bedeutet.

Er kam ganz aufgekratzt mit einem Motorrad angefahren und wollte zu Cui Youcheng[3]. „Du bist nicht in der Position, mit mir zu kämpfen. Warte bis einer meiner persönlichen Schüler kommt“, sagte Cui Youcheng. Der Schüler, der dann schließlich auftauchte, war ein ganz dünner Kerl. Auch er kam auf einem Motorrad. In dem Raum zogen sich beide Boxhandschuhe an. Sobald sie anfingen die Fäuste zu schwingen, regnete auf den Boxer einen Hagel von Schlägen ein. Der Boxer erlitt auf der Stelle Verletzungen. Sein Gesicht schwoll derart an, dass es ganz aufgequollen war.

Als er ging, war er nicht mehr in der Lage, mit dem Motorrad zu fahren. Das Motorrad ließ er beim Haus von Cui Youcheng einen Monat lang stehen. Nachdem der Boxer seine Verletzungen ausgeheilt hatte rief er an. Er sagte, er werde kommen, um das Motorrad abzuholen. „Hast Du einen persönlichen Eindruck gewonnen“, fragte Cui. „Ich habe einen Eindruck davon gewonnen, warum Ihnen ihr Ruf vorauseilt“, sagte der Boxer.

Zu Teil 2


[1] Xu Haofeng 徐皓峰 auch 徐浩峰 (geb. 1973): ist Regisseur, Drehbuchautor sowie Autor von Wuxia-Romanen und Berichten über Kampfkunstmeister. Mit den beiden Büchern Shiqu de Wulin 逝去的武林 – „Vergangene Welt der Kampfkunst“ und Dacheng ruo que大成若缺– „Großes Können gleicht einem Makel“   ist er der Vorreiter einer Literaturgattung in China, die sich speziell mit Augenzeugenberichten und dem Erleben von Kampfkünstlern beschäftigt.

[2] Wang Jianzhong 王建中(geb. 1955) aus Peking ist ein Vertreter des Baguazhang und des Dachengquan (eine alternative, aber auch umstrittene Bezeichnung für Yiquan). Er gilt als ein Praktiker des Kampfes innerhalb der inneren Kampfkünste. Er ist der Schwurbruder und Linienhalter des Dachengquan-Meisters Cui Youcheng。

[3] Cui Youcheng 崔有成 (1945-2008) war ein Vertreter der dritten Generation des Dachengquan bzw. Yiquan. Er lernte von Wang Binkui und war für seine praktischen Fähigkeiten im Kampf bekannt.

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